Page 35 - Lebensraum-2019
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Mittwoch, 13. November 2019                 Lebensraum Zurzibiet                                                35














































           Daniel Böhler und Ambros Ehrensperger im Obstbaumgarten des Berghofes.

           Mutter Natur auf der Spur





           Die Natur ist ein grosser               Biodynamik fördern                      arbeit entfernt. Taubnesseln, Vogelmiere,
           Kreislauf, dem es Sorge zu              Mittlerweile arbeiten Böhlers mit biodyna-  Ehrenpreis bleiben. Die Beikrautregulie-
                                                   mischen Präparaten, die man selber herstel-
                                                                                           rung erfolgt mechanisch mit einem Striegel
           tragen gilt. Zwei gehen da-             len kann. Sie verwenden auch EM-Produk-  oder einem Hackgerät. Taubnesseln, Vo-
           bei mit bestem Beispiel vo-             te, dafür aber keine chemisch-synthetischen   gelmiere, Ehrenpreis dürfen auch bleiben.
                                                   Pflanzenschutzmittel. In der Tierhaltung
                                                                                                                             
                                                                                           Dies schadet dem Getreide nicht.»
           ran: Ambros Ehrensperger                verwenden sie prophylaktisch keinerlei Me-
           und Dani Böhler.                        dikamente. Ist ein Tier krank, kommen zu-
                                                   erst homöopathische Mittel zum Einsatz.
                                                   «Auch mit Medizinalhonig und Silberwas-   Der Berghof
           MELLIKON (sf) – So treffen sich Lehrer   ser haben wir gute Erfahrungen gemacht.»
           und Schüler wieder – ein Gespräch im na-  Die Tiere werden mit Raufutter wie Weide-  Um 1800 wandern die Vorfahren der
           turnahen Garten des Berghofes mit schöns-  gras, Silage und Heu gefüttert und erhalten   Böhlers aus dem Schwarzwald in die
           ter Aussicht in den Schwarzwald. Einst un-  kein Kraftfutter. Vieles sei Erfahrungswis-  Schweiz ein. Rund 50 Jahre später wur-
           terrichtete Ehrensperger Böhler, heute set-  sen, «man wächst mit der Zeit hinein.» Es   de die erste Siedlung im Gebiet Berg-
           zen sich beide für naturnahe Gärten und   braucht manchmal auch Mut Neues zu wa-  hof erstellt. 1932 kam es zu einem Teil-
           Landwirtschaft ein. Der Garten auf dem   gen. «Vieles, was wir tun, ist vorbeugend.»   brand. Die Neuerstellung der Berg-
           Berghof war schon immer naturnah, der   Geachtet wird speziell auf eine gesunde   hofstrasse folgte 1955. Dann, 1995,
           Landwirtschaftsbetrieb wurde 1995 auf die   Fruchtfolge sowie  eine gute  Begrünung.   wurde der Hof auf Biolandbau umge-
           biologische Produktion umgestellt. «Das   Bei der Sortenwahl sollten keine anfälligen   stellt. 2010 stellten die Böhlers dann
           war ein Prozess.» Er begann, als Böhler   Sorten gewählt werden. Mit einem Augen-  auf biologisch-dynamischen Landbau
           seine Ausbildung zum Landwirt absolvier-  zwinkern erklärt Böhler: «Ein Samen von   um und produzieren seither nach De-
           te. «Ich hatte Mühe mit dem Ausbringen   zehn ist für die Schnecken. Wir arbeiten mit   meterstandard. 2012 wurde der Stall
           der Pflanzenschutzmittel und dachte mir,   der Natur, nicht gegen sie.» Schnecken seien   in einen grosszügigen Freilaufstall für
           es muss auch andere Wege geben.» Dies-  wiederum Futter für andere Tiere.         behornte Tiere umgebaut. Sie halten
           bezüglich geht er einher mit Ehrenspergers                                        rund 35 Weidemasttiere, 425 Legehen-
           Meinung, der sich seit vielen Jahren für die   Das grosse ABER                    nen, zehn Hähne und zwei Schweine
           Natur starkmacht. «Wir sind nicht gegen                                           und geniessen von ihrem Hof aus einen
           etwas, sondern für Lebensqualität und ge-  Böhler spricht von Un- und Beikräutern.   grandiosen Blick in den Schwarzwald.
           sundes Leben.»                          «Disteln  und  Blacken  werden  in  Hand-
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