Page 36 - Lebensraum-2019
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36                                          Lebensraum Zurzibiet                            Mittwoch, 13. November 2019



                                                                                           Nachhaltig (land)wirtschaften
                                                                                           Hier klinkt sich Ehrensperger ein: «Nach-
                                                                                           haltigkeit ist ein wichtiges Stichwort. Die
                                                                                           aufgewendete Energie bei der Bewirt-
                                                                                           schaftung, das Schonen der Böden, das al-
                                                                                           les ist entscheidend.» Aufgrund hoher An-
                                                                                           sprüche der Abnehmer und Konsumenten
                                                                                           bleibt heute viel auf den Feldern liegen. Die
                                                                                           Klimadebatte habe aber viele aufgeweckt.
                                                                                           «Das sieht man auch bei den Wahlen.» Eh-
                                                                                           rensperger schrieb seine erste Arbeit wäh-
                                                                                           rend des Studiums über das Konsumver-
                                                                                           halten. Er ist der Überzeugung, dass zu
                                                                                           wenig im Bereich der Konsumenten und
                                                                                           deren Einsicht getan wird. Die Rahmen-
                                                                                           bedingungen müssten angepasst, das Sys-
                                                                                           tem überdacht werden. «Andere Anreize
                                                                                           und Lenkungsmechanismen in der Land-
                                                                                           wirtschaft würden auch zu Verbesserun-
                                                                                           gen führen.»
                                                                                            «Wir wollen eine Grundsatzdiskussion
                                                                                           anstossen. Welches Ziel wollen wir errei-
                                                                                           chen, wie den Weg dorthin gestalten.» Für
                                                                                           Böhler ist das Ziel klar: «Die Bodenfrucht-
                                                                                           barkeit erhöhen. Die Vielfalt der Lebewe-
                                                                                           sen und Insekten muss wieder zunehmen.»
                                                                                           Der Boden beherbergt sehr viele Lebe-
                                                                                           wesen und ist der grösste Filter für unser
                                                                                           Trinkwasser. «Ein gesunder Boden ist die
                                                                                           Grundlage für die Produktion von gesun-
                                                                                           den, rückstandsfreien Lebensmitteln.» Er
                                                                                           ist auch der Auffassung, dass Naturschutz
                                                                                           und landwirtschaftliche Produktion mit-
           Ein Idas-Bläuling in Ehrenspergers Garten.                                      einander möglich sind. «Eine Flächenwir-
                                                                                           kung wird nicht neben, sondern mit der
                                                                                           Landwirtschaft erzielt. Es braucht konst-
            Böhler arbeitet Teilzeit am Forschungs-  ausforderung für die gesamte Biobran-  ruktive Lösungen und Innovationen. An-
           institut für biologischen Landbau und berät   che damit die Produzentenpreise nicht in   sonsten vergeben wir viel für kommende
           andere Landwirte und begleitet Anbauver-  den Keller purzeln wie im konventionellen   Generationen.»
           suche. In den letzten Jahren haben sich ei-  Landbau. Im Biolandbau konnte man in
           nige Betriebe für die biologische Produkti-  den vergangenen Jahren bei vielen Produk-  Chancen nutzen
           on entschieden vor allem auch in der West-  ten gute Preise erzielen und könne trotz ei-
           schweiz. Das grosse ABER: Der Markt.    ner geringeren Produktionsmenge und hö-  Es funktioniert nicht alles beim ersten Mal.
           «Produkte müssen verkaufbar sein.» Das   herem Handarbeitsaufwand ein Auskom-   Er habe immer mehr Erfahrung gesammelt
           Angebot bei Bio-Milch, Bio-Schweine-    men erzielen. Damit dies so bleib, ist zu   im Bio-Landbau. «Am besten die Heraus-
           fleisch und Bio-Getreide ist schneller ge-  hoffen, dass sich die KonsumentInnen in   forderungen als Chancen sehen.» Nach-
           wachsen als die Nachfrage und folgedessen   Zukunft vermehrt für Bio-Produkte ent-  haltiger zu wirtschaften bedeute ganz klar
           kommen die bisher guten Bio-Produzen-   scheiden und bereit sind, einen Mehrpreis   auch mehr Arbeit. Auf dem Betrieb hat es
           tenpreise unter Druck. Es ist eine Her-  zu bezahlen.                           verschiedene Kleinstrukturen und Rück-


























           Wichtige Nahrung für Tiere: Hängengelas-  Lebensraum für Bodenlebewesen beim Ge-  Beerensträucher nicht ganz abernten, das
           sene Früchte.                           treideanbau.                            freut Vögel.
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