Page 33 - Lebensraum-2019
P. 33

Mittwoch, 13. November 2019                 Lebensraum Zurzibiet                                                33


           Der grosse Bazar
           Das meiste, das in den Goldenbühl-Werk-
           stätten angefertigt wird, ist für den grossen
           Advents- und Weihnachtsbazar bestimmt.
           Dieser wird am ersten Adventswochenen-
           de durchgeführt und erfreut sich in der Re-
           gion grosser Beliebtheit. Benedikt Hebing                                 2                    3
           bezeichnet den Bazar als ein «Aushänge-
           schild» für das Goldenbühl und kommt in
           diesem Zusammenhang auch auf die Ker-
           zerei zu sprechen, die nur saisonal und auf
           den Adventsbazar hin in Betrieb genom-
           men wird.                                                1
             Nach derselben Philosophie wie in den
           Werkstätten wird auch im Garten, in der
           Küche und im Haushalt des Goldenbühls
           verfahren: Nirgends soll die Arbeit der Be-
           wohnerinnen und Bewohner eine eigent-
           lich überflüssige Beschäftigung sein. Sie
           soll einen Nutzen haben, muss der Haus-
           gemeinschaft zugute kommen und den
           13 Männern und Frauen im Goldenbühl
           Anerkennung und Lob einbringen.

           Lange Arbeitstage                         1 = Schopf, 2 = Haus 68, 3 = Haus 36
           «Beständigkeit ist uns wichtig», sagt Be-
           nedikt Hebing und fährt mit seinen Aus-   Die Maia-Stiftung und das Haus Goldenbühl
           führungen zu Grundhaltungen und Wer-
           ten fort. «Wir versuchen Unruhe zu ver-     Die Maia Stiftung wurde 1978          Im «Goldenbühl» arbeiten
           meiden, im Tagesablauf sowieso, aber auch   von Christel Hebing gegründet.       23 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
           was den Einsatz der Mitarbeitenden be-
           trifft.» Schichtbetrieb gäbe es im Golden-    Die Stiftung besitzt und betreibt    (1700 Stellenprozente).
           bühl nicht. Für die Bewohnerinnen und      das «Goldenbühl» in Wislikofen.        Präsident der Maia Stiftung:
           Bewohner habe das den Vorteil, dass sie so     Das «Goldenbühl» ist ein Zuhause    Felix Vögele, Fisibach.
           den ganzen Tag über immer mit demselben    für 13 Männer und Frauen mit           Leiter der Institution «Goldenbühl»:
           Betreuungsteam zu tun haben würden. Das    kognitiven Beeinträchtigungen         Benedikt Hebing, Fisibach.
           vermittle ihnen Sicherheit und bringe Ruhe.
                                                      und allenfalls herausforderndem        Spatenstich geplanter Ausbau
                                                      Verhalten.                            der Gebäude Nummer 68, Nummer 36
           Steiners Philosophie                        Die 13 Bewohner und Bewohnerinnen   und Schopf: Sommer 2020
           Zu den Grundhaltungen und Werten sei-      stammen aus den Kantonen Aargau,
           ner Institution gehöre auch eine anthro-   Zürich, Thurgau, Baselland, Solothurn.   Spenden Raiffeisenbank Zurzach:
           posophische Ausrichtung, meint Hebing      Drei davon kommen aus dem Zurzibiet.   IBAN CH49 8070 1000 0069 1892 6
           und spricht vom Menschenbild der Anth-
           roposophie, das auf deren Gründer, Rudolf
           Steiner, zurückgehe. «Den Menschen ver-
           stehen wir als Einheit von Körper, Geist   41 Jahren ist sie mit den ersten zu Betreu-  liegen im Zeitplan» sagt er und hofft punk-
           und Seele.» Einen eigentlich kranken Men-  enden ins Goldenbühl eingezogen. 41 Jahre   to Finanzen auf zahlreiche Spenden. «Die
           schen gebe es darum im anthroposophi-   sind eine lange Zeit und das Haus und seine   Bewohnerinnen  und  Bewohner  und  die
           schen Verständnis nicht. Krankheit habe   Einrichtungen sind in die Jahre gekommen.   Verantwortlichen vor Ort haben Unterstüt-
           ihre Ursachen in Disharmonien auf der   Der Institution stehen deshalb umfassen-  zung verdient», hält Vögele dezidiert fest.
           körperlichen, geistigen oder seelischen   de Erweiterungs- und Renovationsarbeiten
           Ebene. Diese Disharmonien würden die    bevor. «Was vor 40 Jahren noch Standard   Käsespätzle und Salat
           günstige Entfaltung eines Menschen be-  war, ist es heute längst nicht mehr», sagt Be-
           einträchtigen oder verhindern und sich als   nedikt Hebing und kommt unter anderem   Es wird 12 Uhr mittags und alle, die im
           Krankheiten oder Einschränkungen zei-   auf die Grösse der Zimmer und auf die sa-  Goldenbühl leben und arbeiten, versam-
           gen. Die Anthroposophie versuche mit    nitären Anlagen zu sprechen. Im Frühjahr   meln sich im Speisesaal. Käsespätzle und
           Heilmitteln aus der Natur und mit Thera-  2020 sollen die Bauarbeiten losgehen.  Salat stehen auf dem Menüplan und zum
           pien wie «Heileurythmie» die Harmonien                                          Dessert eine Joghourtcreme mit Früchten.
           wiederherzustellen oder die Disharmonien   Renovation tut Not                    Auch Nadine sitzt vor einem vollen Teller
           zumindest zu entschärfen. Die Heileuryth-                                       und lässt sich das Mittagessen schmecken.
           mie gehöre somit auch zum Therapieange-  Das Projekt «Erweiterung und Renovati-  In der Weberei ist sie inzwischen wohl bei
           bot im Goldenbühl.                      on» (siehe Kasten) ist bei Felix Vögele in   Beutel 24 angekommen und hat auch die-
                                                   den besten Händen. Vögele ist der Präsi-  sen schon beklebt. Wenn aber nicht, dann
           Seit 41 Jahren                          dent der Maia Stiftung, der eigentlichen   spielte das keine Rolle. Am Nachmittag,
                                                   Trägerin der Institution Goldenbühl. Als   nach 16 Uhr, wäre ja nochmals Werkstatt-
           Die anthroposophische Ausrichtung des   ehemaliger Gemeindeschreiber und lang-  zeit und morgen auch schon wieder. Im
           Goldenbühls geht auf die Gründerin der In-  jähriger Kirchenpflegepräsident kennt sich   Goldenbühl stehen die Möglichkeiten und
           stitution zurück, auf Heilpädagogin Chris-  Vögele mit Bauprojekten aus. Was das Gol-  Grenzen der Bewohnerinnen und Bewoh-
           tel Hebing, Benedikt Hebings Mutter. Vor   denbühl betrifft, ist er zuversichtlich. «Wir   ner eben im Vordergrund.
   28   29   30   31   32   33   34   35   36   37   38